
Seit es digitalen Text gibt, gibt es auch digitale Bücher. Handliche Lesegeräte mit kontrastreichen, gut lesbaren Displays werden aber erst erst seit der Entwicklung des sogenannten “elektronischen Papiers” (E-Paper) produziert. Während Meldungen von neueren, schöneren oder flacheren E-Book-Readern fast wöchentlich auf einschlägigen Nachrichtenportalen auftauchen, ist die lang und häufig angekündigte “Revolution”, die diese für den Buchmarkt und unsere Lesegewohnheiten bedeuten könnten, kaum spürbar.
Nur langsam kommt Bewegung in den nicht ganz so neuen Markt. Und mit ihr kommen die Fragen:
Gibt es in Deutschland einen Massenmarkt für digitale Bücher? Wie sieht er aus, wie wird er sich entwickeln?
Wer liest E-Books? Wie viel sind Leser bereit, für E-Books zu zahlen? Werden sich E-Book-Reader als primäre Lesegeräte durchsetzen? Auch die (leidliche) Diskussion über digitale Rechteverwaltung (DRM) für E-Books steht noch am Anfang. Werden die Verlage aus den Fehlern der Musikbranche lernen?
Die Presse über die neuen Lesegeräte erweckt leicht einen falschen Eindruck: Die Auswahl ist nicht groß. Wer momentan in Deutschland einen E-Book-Reader erwerben will, hat lediglich die Wahl zwischen den Geräten von Sony, den Booken Cybooks, dem iRiver Story und dem USA-Import des Amazon Kindle. Der Preis liegt zwischen 230 und 300 Euro. Der quelloffene txtr Reader, der ab Mitte Dezember ausgeliefert werden soll, wird 319 Euro kosten. – Hier liegt eines der Probleme des zaghaft entstehenden Markts: Um breitere Käuferschichten zum Kauf zu motivieren, müssten die Geräte deutlich preiswerter werden. Das zeigte Forrester in einer kürzlich veröffentlichten Studie zum US-Markt. Demnach würden über sechzig Prozent der Erwachsenen mit Internetzugang den Kauf in Betracht ziehen, wenn der Preis unter 99 US-Dollar sänke.
Möglich wären Angebote wie sie im Mobilfunkbereich üblich sind: Bei Abschluss eines Zeitungsabonnements oder Mitgliedschaft in einer Büchergemeinschaft, könnten E-Book-Reader zu einem niedrigen Preis oder kostenlos angeboten werden, subventioniert über Grundgebühr oder Mindestumsatz.
Doch trotz des Enthusiasmus, mit dem Pressemeldungen zu neuen Lesegeräten widergegeben werden, bestehen Zweifel, ob sie sich als primären Anzeigegeräte durchsetzen. In Deutschland gibt es etwa drei Millionen iPhone- und iPod touch-User, weltweit geschätzte 50 Millionen. Sie alle haben täglich ein Gerät in der Hosentasche, mit dem sie problemlos E-Books kaufen und lesen können. Und immer mehr von ihnen tun es. So verwundert es nicht, dass die Holtzbrinck-Verlage (u.a. Droemer Knaur, S. Fischer, Rowohlt) gestern bekannt gaben, bald eine vierstellige Anzahl Titelfür Smartphones anzubieten – über textunes, eine von vielen E-Book-Anwendungen für iPhone, iPod touch und Android.
In Sachen Lesbarkeit, Akkulaufzeit und Display-Größe können aktuelle Smartphones den E-Book-Readern nicht das Wasser reichen. Aber wenn unsere mobilen Rechner in Zukunft ultra-portable Tablets sind, könnten sich die Lesegeräte bald als überflüssig gewordener Zwischenschritt herausstellen.
Was zählt, bleibt also der Inhalt: Die Plattformen zum Erwerb von E-Books sprießen, den unsicheren Umsatzaussichten zum Trotz. Die meisten großen Online-Buchhändler haben ihr Sortiment bereits um E-Books erweitert, auch in Filialen großer Buchhandelsketten wird das digitale Buch beworben.
Beste Ausgangsposition für Marktdominanz hat Amazon, das diese Woche seinen E-Book-Shop auch für PCs zugänglich gemacht. Konkurrenz droht von Google: Für Mitte 2010 ist Google Editions angekündigt, eine E-Book-Bibliothek, die über jeden Webbrowser zugänglich ist. Vodafone will zur CeBIT 2010 einen “elektronischen Kiosk” vorstellen – hoffentlich inklusive Datentarifen um die Lesegeräte per UMTS mit Inhalt zu versorgen.
Auch die etablierten Buchverlage mischen mit, wenn auch nur zaghaft: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels betreibt schon seit zwei Jahren seine eigene E-Book-Plattform. Die Resonanz auf libreka war nicht immer wohlwollend: So nannte Spiegel Online es hämisch eine “Verkaufsverhinderungsplattform”; im September machte ein angeblicher Insider-Bericht Schlagzeilen, laut dem in diesem Monat lediglich 32 E-Books an Endkunden verkauft worden wären. Vollkommen unrealistisch klingt die Zahl nicht: Das Marktforschungsunternehmen GfK schätzte für das erste Halbjahr 2009 die umstrittene Zahl von 65.000 E-Book-Verkäufen in Deutschland. Selbst wenn die Zahl doppelt so hoch wäre: Der deutsche Markt für E-Books ist marginal – noch.
Trotzdem will sich jeder ein Stück vom Kuchen sichern – selbst wenn er sich als Keks herausstellen sollte.
Was fehlt, ist ein erfolgversprechendes Modell für den Verkauf von E-Books . Momentan werden die digitalen Kopien wie ihre gedruckten Pendants behandelt. Ein E-Book kostet oft noch so viel wie die billigste erhältliche gedruckte Ausgabe, maximal 20% weniger. (Die berüchtigte Buchpreisbindung gilt auch für E-Books, der Preis muss aber nicht mit dem der Print-Version übereinstimmen.)
Dass Nutzer bereit sind, für digitale Medien zu zahlen, wenn Preis und Komfort stimmen, hat Apple mit iTunes gezeigt. In den USA versucht Amazon dieses Prinzip nachzuahmen: Jedes digitale Buch soll weniger als zehn Euro kosten. Den Differenzbetrag zum herkömmlichen Buch zahlt Amazon momentan noch aus eigener Tasche an die Verlage.
Digitale Abonnements könnten eine Chance für Printmedien sein, Abonnenten und Anzeigenkunden zu halten: Über den Kindle sind immerhin FAZ, Handelsblatt, taz und die Wirtschaftswoche verfügbar. Doch scheinen sich die Zeitungen noch schwer zu tun, sich auf das Medium E-Book einzustellen: Der Nutzer erhält eine 1:1-Kopie der Print-Ausgabe, die nicht auf das Format der Reader angepasst ist. Momentan bieten die digitalen Zeitungen weder Push-Updates noch zusätzliche Multimedia-Inhalte.
Der Markt rund um die digitalen Bücher hat Potential. Aber bis es alltäglich wird, dass die Tageszeitung schon neben uns wartet, wenn wir morgens aufwachen, und wir den Gute-Nacht-Krimi in unserem faltbaren Reader lesen können, wird es noch ein paar Jahre dauern.

November 16th, 2009 at 11:37
Da geht noch eine Menge mehr, nämlich wenn Apple sich entscheidet, sowas wie den iPod für Bücher herzustellen, so richtig mit Anbindung an den iTunes-Store. Das hat ja schon den Musikmarkt möglich gemacht, so eine vertikale Lösung.
November 22nd, 2009 at 21:43
Ja, es würde mich wundern wenn Apple da nicht einsteigen würde. Und als Apple-Fangirl würde ich es auch begrüßen. Wäre ausserdem schön, wenn die Verlage endlich begriffen, dass es diesen Markt gibt und die Digitalisierung nicht ihr Ende sondern eine Chance ist.
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- Wie auch immer, ich bin gespannt
Dezember 21st, 2009 at 18:48
[...] bisher gibt es kaum mehr zu sehen als Prototypen und blinkende “Pre-Order”-Buttons (erinnert uns an was, oder?). Appetitanregend sind sie allerdings, und zwei vielversprechende Modelle, das JooJoo und die [...]