Die nächste grosse Entwicklungsstufe des Internet wird das Real Time Web sein, das Echtzeit-Netz. Müsste man in groben Phasen unterteilen, was mit dem Netz passiert und würde man sich dazu herablassen, die Versionsnummern des Internet doch nochmal zu benutzen, es würde sich so lesen:
Web 1.0: Da ist das Netz.
Web 2.0: Da sind Menschen im Netz.
Web 3.0: Da sind Menschen im Netz – genau jetzt.
Weil “Web 3.0″ niemand außerhalb von Twitterschulungen für Abteilungsleiter ernsthaft sagen kann, ist Real Time Web oder Echtzeit-Netz ein adäquater Ersatz, denn machen wir uns nichts vor, ohne Buzzwords geht es heutzutage nicht. Die durch dutzende Jahre Herrschaft der Unternehmensberatungen über die Konzerne der Welt geprägte 5B-Business-Regel lautet “Buzzword bedeutet Bedarf bedeutet Budget”. Das Real Time Web hat übrigens noch keinen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel. Aber ich schweife up.
Twitter ist nur der kleine, quirlige Vorbote des Echtzeit-Netz, Facebook fühlte sich bereits Anfang des Jahres gezwungen, mit einer Art Statusstream nachzuziehen – ein oft als “Twitterisierung” verspotteter, aber richtiger Schritt. Selbst, wenn Facebook durch seine inzwischen dschungelhafte Usability viel verschenkt. Dass jüngst sowohl Bing wie natürlich auch Google die Echtzeitsuche ganz oben auf ihre Prioritätenliste geschrieben haben, deutet ebenso auf die Bedeutung des Echtzeit-Netzes hin wie die Vielzahl verschiedener Live-Dienste, die sich rund um Twitter und Facebook gebildet haben. Der Handy-Livestreaming-Plattform Qik sei hier exemplarisch erwähnt, ein Tool, mit dem man mit jedem UMTS-Handy von jetzt auf hier live streamen kann. Überhaupt ist das Mobile Web natürlich eine Basis für das Echtzeit-Netz und es ist kein Zufall, dass Twitter die erste soziale Anwendung war, die eine grössere Menge von Menschen in die mobile Internet-Nutzung gezogen hat.
Das relevanteste Anzeichen für das heraufziehende Echtzeit-Web aber bezieht sich auf das relevanteste Kriterium des Netzes: den Traffic und die Trafficlenkung. Traffic ist das Blut des Internets, ohne Traffic geht nichts – wer also Traffic kontrollieren kann, prägt das Antlitz des Web. Hier hat sich etwa im Nachrichten-Bereich schon vor einiger Zeit gezeigt, dass für viele (englischsprachige) Seiten drei Trafficbringer ganz vorne stehen: Google, Facebook und Twitter.
Unabhängig davon, ob Facebook und vor allem Twitter wirklich die Plattformen sein werden, die das Echtzeit-Internet auch in Zukunft bestimmen werden (das hängt von vielen, hauptsächlich unternehmerischen Entscheidungen ab), die Funktionsweise der Trafficlenkung gestaltet sich hier anders als bisher. Der Trafficstrom folgt unmittelbar und messbar dem Aufmerksamkeitsstrom.
Nebenbei bemerkt, um die Grössenordnung für Deutschland mal einzuordnen: wenn ich bei Twitter mit derzeit etwas unter 22.000 Followern einen Link veröffentliche, dann wird er im Durchschnitt von über 2.000 Menschen angeklickt (Quelle: mein Bit.ly-Tracking). Dieser Wert (über den ich demnächst hier im im 01blog einen detaillierten Artikel schreiben werde), wird interessanterweise eher von der Zahl der Retweets beeinflusst als vom Wochentag oder Tageszeit (die aber auch eine Rolle spielen).
Diese Aufmerksamkeitlenkung funktioniert am besten in den ersten etwa 30 Minuten. Innerhalb dieses Zeitraums wird der Link grob überschlagen genau so oft geklickt wie in den darauf folgenden 24 Stunden, ein Umstand, der regelmässig Server in die Knie zwingt, woran man übrigens die weitreichenden, auch infrastrukturellen Implikationen des Echtzeit-Web erahnen kann.
Diese Klick- und Verbreitungsgeschwindigkeit ist der vielbesungene Vorteil von Twitter, die Kommunikationswellen, die – beinahe in Echtzeit – weltweit durchs Internet rollen. Und hier kommt der Kaffee ins Spiel. Denn damit Twitter (und damit im Moment das Echtzeit-Web) soviel Aufmerksamkeit so schnell lenken und leiten kann, müssen die Nutzer ständig online sein, ständig empfangsbereit für die eventuell jederzeit eintreffende, superwichtige, weiterzuverbreitende Nachricht. Das geht aber nur, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind.
Zum einen darf man nicht die gesamte Zeit im Alarmmodus sein – das wäre viel zu ermüdend, viel mehr müssen die Heerscharen der Twitterer, die im nächsten Moment eine relevante Nachricht weitertransportieren werden, sich im Zustand der Halbaufmerksamkeit befinden, die sich über längere Zeit aufrecht erhalten lässt.
Zum anderen aber müssen sie einen Grund haben, weshalb sie sich immer und immer wieder mit der Plattform beschäftigen, irgendetwas hineinschreiben und wenn sie schon mal da sind, ein bisschen hineinlesen. Würden alle Nutzer nur einmal am Tag abends nach Twitter sehen, gäbe es keinen Geschwindkeitsvorteil, kein Echtzeit-Web.
Das bedeutet, dass der Wunsch, jederzeit und wiederholt eine harmlose Statusmeldung abzusetzten, etwa darüber, dass man sich gerade einen Kaffee holt, die essenzielle Basis ist dafür, dass das Real Time Internet überhaupt funktioniert. Der Kaffee-Tweet ist das völlig unersetzbare Schmiermittel für den Motor des Echtzeit-Web.
Sollte sich also jemand demnächst Twitter das erste Mal – etwa in journalistischer Absicht! – ansehen und zufällig bei einem Twitterbeitrag landen, der lautet “Mmh, Kaffee” – er möge diesen mit Respekt behandeln. Das ist kein belangloser Alltagsschrott. Es handelt sich um den wichtigsten Tweet der Welt.
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(Dank für das wunderbare Bild an j4k3)

November 19th, 2009 at 15:28
RT @m140z Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. | webciety http://bit.ly/4nqzvS
November 19th, 2009 at 15:36
reading RT @saschalobo: Jetzt im 01blog: Warum "Mmh, Kaffee" der wichtigste Tweet der Welt ist & das Echtzeitweb http://tinyurl.com/yb9wp8m
November 19th, 2009 at 15:48
Schöner Beitrag zu den Kaffee-Tweets dieser Welt: http://bit.ly/1QBLHn Twitter ist garnicht so wichtig – das Prinzip Echtzeit-Web aber schon
November 19th, 2009 at 16:10
Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. | WEB 3.0 http://ow.ly/DHoW
November 19th, 2009 at 16:19
RT @infoholiker: Warum âMmh, Kaffeeâ der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. | WEB 3.0 http://ow.ly/DHoW
November 19th, 2009 at 16:24
Ich bin ja kein glühender Fan von Sascha Lobo. Aber das hat er mal richtig schön gesagt. http://webciety.de/?p=3082
November 19th, 2009 at 17:08
RT @FrauSchmitt Ich bin ja kein glühender Fan von Sascha Lobo. Aber das hat er mal richtig schön gesagt. http://webciety.de/?p=3082
November 19th, 2009 at 17:18
Statusmeldungen wie "Mmh Kaffee" sind das Schmiermittel für den Motor des Echtzeit-Web http://ow.ly/DHoW via infoholiker
November 19th, 2009 at 18:05
Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. http://webciety.de/?p=3082
November 19th, 2009 at 18:32
RT @m140z: Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. | webciety http://bit.ly/4nqzvS
November 20th, 2009 at 08:23
Mmh, Kaffee http://webciety.de/?p=3082
November 20th, 2009 at 16:43
@maxpirates http://webciety.de/?p=3082
das muesch unbedingt mal läsä! isch sehr interessant! gisch äs feedback wets gläsä hesch! tweet
November 21st, 2009 at 15:45
Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. | webciety http://webciety.de/?p=3082
November 22nd, 2009 at 09:22
Also, bei Twick.it hab ich gerade eine Kurzeintrag für das Real Time Web verfasst. http://twick.it/de/Real-Time-Web/new/3502#3502 War gar nicht so schwer – und mein Kaffee ist in der Zeit auch nicht kalt geworden. Bewertungen und eigene Formulierungen erwünscht.
November 23rd, 2009 at 12:08
Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. | webciety http://bit.ly/1QBLHn
November 23rd, 2009 at 13:19
RT @rumunnum Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. | webciety http://bit.ly/1QBLHn
November 23rd, 2009 at 14:15
@schokoruebe http://bit.ly/1QBLHn Ja genau.
November 23rd, 2009 at 18:13
So. Ich schmiere jetzt mal den Motor des Echtzeit-Webs und hol' mir 'nen Kaffee…
http://bit.ly/5MOT1v
November 24th, 2009 at 11:58
nie wieder in erklärungsnot geraten: das web und sein wesen: http://webciety.de/?p=3135 und http://webciety.de/?p=3082 perfekt!
November 26th, 2009 at 14:47
@derjojo Und Kaffee ist schließlich der wichtigste Tweet überhaupt (http://webciety.de/?p=3082) also alles richtig gemacht
Dezember 2nd, 2009 at 13:50
Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste #Tweet der Welt ist … http://ow.ly/HeXr #Webciety
Dezember 3rd, 2009 at 21:36
Youser, schon vergessen ws Twick.it nicht ist? Kein Übersetzer, bitte daran halten oder Du wirst wegen Irrelevanz gelöscht und das meine ich ernst.
Dezember 10th, 2009 at 17:34
trinke Kaffee und esse Zimssterne und deshalb tweete ich das http://bit.ly/83C2Xn
Dezember 10th, 2009 at 18:39
RT @DerScholz: trinke Kaffee und esse Zimssterne und deshalb tweete ich das http://bit.ly/83C2Xn –> ein Meta-Kaffee-Tweet
Dezember 11th, 2009 at 17:14
Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. | webciety http://bit.ly/1QBLHn
Dezember 11th, 2009 at 22:32
RT @gestalterhuette: Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. | webciety http://bit.ly/1QBLHn
Dezember 24th, 2009 at 16:37
Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist – http://webciety.de/?p=3082
Dezember 25th, 2009 at 00:01
Warum “Mmh, Kaffee” der wichtigste Tweet der Welt ist oder: Das Echtzeitnetz kommt. http://tr.im/Iy64
Dezember 25th, 2009 at 01:01
Echtzeit-Internet http://tr.im/Iy64
Dezember 25th, 2009 at 17:06
Nach twitter nun auch bei XING http://bit.ly/7EO8fL das Echtzeit-Internet kommt http://bit.ly/5hk6i6
Januar 10th, 2010 at 15:07
Privatlebenbefindlichkeitstexte sind die tragende Masse von FB und #Twitter. Da stimme ich @saschalobo ganz zu http://is.gd/60zdO #fb
Februar 16th, 2010 at 01:45
[...] Bezug auf Twitter wird dieser Begriff gerne bemüht. Twitter sei ein Vorbote des Echtzeit-Webs, betont zum Beispiel Sascha Lobo immer wieder. Auch Frank Schirrmacher widmet dem Begriff "Echtzeit" ein eigenes Kapitel in seinem Buch [...]