An der Kasse hektisch 99 Cent abzählen und dann feststellen, dass man doch nur 97 hat, dem Obdachlosen am Bahnhof versehentlich ausgerechnet das Vatikan-Eurostück in die Hand drücken – eigentlich ist Münzgeld weder einfach noch praktisch. Aber es ist universell. Und zumindest an der Supermarktkasse noch weit davon entfernt, von elektronischen Zahlungsarten abgelöst zu werden. Schade, eigentlich.
Letzte Woche ging der Bezahldienst square durch die Blogs. Mit ihm könnte auch die Pommesbude um die Ecke Kreditkartenzahlungen akzeptieren: Das iPhone wird mit einem Dongle zu einem Kreditkarten-System – inklusive E-Mail-Quittung, Foto-Verifikation und Kunden-Management. Zielgruppe sind kleine Einzelhändler, die nicht in teure Kreditkartensysteme investieren möchten.
Haben wir darauf wirklich gewartet und sieht so die Zukunft von mobile payment aus? Wahrscheinlich nicht.
Aber der Enthusiasmus mit dem square empfangen wurde, erinnert daran, dass es an einer einfachen, eleganten und universellen Lösung für das Bezahlen mit dem Mobiltelefon noch immer fehlt – sowohl in Deutschland als auch in den USA. In Japan dagegen kann man seit über fünf Jahren mit dem Handy an Automaten, in Geschäften, Cafés und Restaurants bezahlen. Das System, das der Mobilfunkanbieter NTT DoCoMo mit Sony gemeinsam entwickelt hat, ist einfach: Mobiltelefone werden mit einem Bezahlchip ausgerüstet; abgebucht und aufgeladen wird mittels NFC (near field communication) – keine Unterschrift, keine PIN-Eingabe, nicht einmal ein Knopfdruck.
In Deutschland funktioniert die bargeldlose Zahlung per Handy bisher nur in Nischenanwendungen: Das Handyporto der Deutschen Post, Bahn-, Flug- und Parktickets. Und natürlich Klingelton-Downloads. So einfach wie das japanische System ist allerdings noch keine dieser Lösungen. Immerhin: Die Bahn erprobt mit Touch&Travel gerade ein Ticket-System, das ebenfalls NFC nutzt.
Größte Schwierigkeit bei der Entwicklung eines universellen mobile payment-Systems dürfte sein, dass die beteiligten Unternehmen sich einigen müssen – zum Beispiel über Standards und Provisionen. Das ist auf dem heiß umkämpften Mobilfunkmarkt nicht einfach – und wird durch die Finanzkrise nicht einfacher.
Hoffnungsträger gab es einige: Schon 1999 ermöglichte paybox das Bezahlen von eBay-Käufen und Taxifahrten übers Handy. Vier Jahre später gab das Unternehmen den deutschen Endkunden-Markt auf – auch mangels Kooperations- und Investitionsbereitschaft von Banken und Mobilfunkanbietern. Vodafone m-pay, Luupay, T-Mobile Wallet und Simpay erging es nicht besser.
Bleiben momentan nur zwei erwähnenswerte Lösungen: mpass von Vodafone und o2, das allerdings nur eine recht überschaubare Anzahl von Online-Shops unterstützt und Call & Pay flexible der Telekom, das das Bezahlen an Automaten ermöglicht.
Beide scheinen weder Ambitionen noch Chancen zu haben, die Kleingeldzählerei an der Kasse durch einen Griff zum Handy zu ersetzen. Und so einfach wie ein Griff zum Handy sollte die neue Zahlungsart sein um sich durchzusetzen. Bleibt also auf eine größere Auswahl NFC-fähiger Handys zu warten – und auf das nächste große Ding in Sachen mobile payment.

Dezember 18th, 2009 at 17:26
Das ist jetzt aber auch schon seit 7 Jahren das nächste große Dinge, oder?
Dezember 19th, 2009 at 21:30
Du hast recht. Ich wollte eigentlich auch ein paar der Artikel zitieren, die vor acht Jahren prophezeiten 2005 würden wir an der Tanke nur noch mit dem Handy zahlen. Ich sehe aber auch irgendwie nicht ein, warum es immer noch nicht so ist
.
Dezember 29th, 2009 at 18:08
Hallo Rin,
mich würde mal interessieren, wie Du den Markt für mobile payment Dienste wahrnimmst. Ich schreibe aktuell an meiner Abschlussarbeit zum Thema “Etablierung neuer Payment Methoden am Beispiel Mobile Payment”. Ich habe auch mehrere Anbeiter in Deutschland recherchiert, die mehr oder weniger etabliert (zumindest in Sparten) sind.
Was mich nun interessieren würde, ist, warum die bei Dir nicht in der Übersicht auftauchen. Warum werden die nicht als “erwähnenswerte Lösungen” wahrgenommen? Bzw. was kann man dagegen tun.
Ich würde mich über Deine Meinung und Dein Feedback freuen.
Viele Grüße,
Tias
Januar 5th, 2010 at 01:18
Hallo Matthias!
Danke für Deinen Kommentar; ich hab’ Dir das eben per Mail beantwortet.
Ganz allgemein: Ich freue mich über Ergänzungen. Mich würde auch interessieren, wer schon einmal so ein Handy-Ticket o.Ä. genutzt hat.
Februar 12th, 2010 at 16:09
[...] Erfinder von Twitter, Jack Dorsey, hat mit Square, das wir bereits im Dezember kurz vorgestellt haben, eine Bezahl-App entwickelt, mit der man nur mit seinem Smartphone überall private oder [...]
Februar 13th, 2010 at 14:06
Hallo Rin,
in Südamerika ist das Thema schon längst in der Umsetzung begriffen. Habe einen Ex-Kollegen der bei http://www.springwireless.com/ auf Santiago de Chile heraus dieses Geschäftsfeld betreut. Da ist wirklich Musik drin, insbesondere meiner Meinung weil der Mobile Markt gerade in Brasilien wirklich noch im Wachstum begriffen ist und man kann so für schmales Geld, schnell und effizient bei einem Straßenhändler sein Essen bezahlen. Gutes Sache das!