
Eines Tages drückte mir eine Bekannte ihre E-Mail-Adresse in die Hand, mit dem Kommentar: “Aber schreib’ mir über facebook. Da bin ich meistens online. Meine Mails rufe ich kaum noch ab.” Einen Moment lang hatte ich Angst: War E-Mail tot und ich die Letzte, die es bemerkte? (Und: Musste ich mich jetzt doch bei facebook anmelden?) Glücklicherweise nicht.
Aber E-Mail ist ein Mädchen für alles: Wenn sie zur Tür herein springt, weiß man nicht, worum es geht, ob es wichtig ist, ob es genau jetzt wichtig ist, oder ob man sie ignorieren darf.
Spam ist für die meisten Privatanwender kaum noch ein Problem. Aber zwischen erwünschten und unerwünschten Nachrichten bleibt eine weite Grauzone – zumindest in meinem Posteingang: Benachrichtigungen, zum Beispiel. Benachrichtigungen über Nachrichten in anderen Posteingängen, über Freundschaftsanfragen und -bestätigungen, über den Versandstatus von Weihnachtsgeschenk-Bestellungen, über paypal-Transaktionen und Blog-Kommentare. Manchem Online-Einkauf gelingt es, von der Bestellung eines Artikel bis zu seiner Zustellung sechs oder sieben E-Mails zu produzieren (Bestätigen der Mail-Adresse des neuen Benutzerkontos, Nachricht über erfolgreiches Anlegen eines neuen Benutzerkontos, Bestellbestätigung, Bestätigung des Zahlungseingangs, Versandbenachrichtigung).
Ist E-Mail das richtige Medium für solche Benachrichtigungen, die keine Antwort erlauben und erfordern? Nun, E-Mail ist universell, verbreitet und einfach. Und abgesehen von RSS-Feeds haben sich keine Alternativen etabliert.
Natürlich gibt es Lösungen für den Posteingang: Man sortiert die Mails in Ordner, versieht sie mit Tags und Priorität. Man bestellt sämtliche Benachrichtigungen ab, löscht seine E-Mail-Accounts und zieht in eine Hütte im Wald. Man kauft sich einen dressierten E-Mail-Sortier-Affen. Oder man spielt weiterhin täglich selbst E-Mail-Sortier-Affe. Wünschen würde ich mir allerdings etwas anderes. Und weil die Zeit zum Wünschen gerade günstig ist:

- Eine Inbox, in der E-Mails und persönliche Nachrichten aus allen Netzwerken liegen, inklusive Anrufbeantworter-Nachrichten und SMS. All diese Nachrichten lassen sich mit einem Klick auf den Reply-Button beantworten. (Klingt genial, ist schon seit Jahren möglich, macht aber keiner. Soziale Netzwerke haben kein Interesse daran: Sie möchten, dass wir vorbeikommen, uns einloggen, Susis Nachricht lesen, ihre Urlaubsfotos ansehen, und wo wir schon mal da sind, was ist eigentlich aus ihrem Bruder geworden? – Oh, na so was, ein Weihnachts-Gewinnspiel! … und moment, wann habe ich mich zuletzt um meine virtuelle Farm gekümmert?). Wenn in dieser Inbox eine Nachricht ankommt, ist sie mit großer Wahrscheinlichkeit richtige Post, eine von einem Menschen verfasste Nachricht an mich – wie früher.
- Alles abonnieren können. Nie mehr “noch mal schnell nachgucken, ob …”, indem man einen Browser-Tab öffnet und F5 drückt.
- Die ultimative Inbox würde Benachrichtigungen nicht nach Dienst sortieren, sondern nach Art: Die Kontaktanfragen sämtlicher sozialen Netzwerke an einem Ort, in Threads sortiert, mit der Möglichkeit zum “bulk edit”.
- Benachrichtigungen über weniger wichtige Dinge – über Blog-Kommentare, Trackbacks, Kommentare unter eigenen Bildern und Updates zum Sendungsstatus erwarteter Bestellungen – würden als freundlich-unaufdringliche Push-Benachrichtigungen realisiert. Wenn man gerade einen Artikel zu schreiben hätte und sich durch nichts ablenken lassen wollte, könnte man sie stummschalten.
- Die Art von Benachrichtigungen, die nur interessant sind, wenn man sich gerade langweilt, würden als Stream abgebildet, ähnlich eines Live-Tickers. In diesem Aktivitäts-Stream würde ich sehen, was meine Freunde gerade tun, was sie hochladen, twittern, an welchem Ort sie eingecheckt haben (etwa wie das friendfeed-Gadget für GMail).
Es gibt bereits einige Dienste und Tools, die einen kleinen Schritt Richtung unified inbox machen: threadsy und die facebook-App Inbox2 stellen einen gemeinsamen Posteingang für E-Mail, facebook und twitter bereit. Gist verfolgt den vielversprechenden Ansatz, E-Mails, twitter- und facebook-Updates nach Kontakten zu gruppieren und nach deren Wichtigkeit zu filtern. (Es gibt auch eine iPhone-App). Für nicht-professionelle Netzwerker ist Gist allerdings überdimensioniert – und das Gegenteil von “einfach”.
Kennt ihr weitere Werkzeuge oder Tipps? Oder habt ihr eure “ultimative Inbox” bereits realisiert? Kommentare erbeten.
In der Zwischenzeit sehe ich mir Gist genauer an und versuche ich ein paar dieser Ideen mit GMail umzusetzen. Mit etwas Glück gibt es demnächst einen Beitrag dazu.

Dezember 17th, 2009 at 13:12
Die ultimative Inbox, Heiliger Gral derer, die von vollen Posteingängen geplagt werden. Habt ihr Ideen, Tools, Tipps? http://bit.ly/6YWBgU
Dezember 17th, 2009 at 14:42
Hm,
gar nicht so einfach.
Alles was das Web angeht sammle ich in einer Email-Inbox, true. Allerdings dann lokal und nicht mehr in der Wolke. Auch die ganzen Benachrichtigungen, die ich über Filter gleich in Ordner verschiebe & markiere (@someday) landen in dieser Inbox.
Schwierig sind tatsächlich all die anderen Geräte, die Stuff produzieren, bspw. Mobiles oä. Das wäre tatsächlich mal nett wenn sms oä auch in dieser Inbox aufliefen.
Dezember 29th, 2009 at 22:36
Interessant IMHO -> Wanted: Die ultimative Inbox. | webciety http://bit.ly/6YWBgU
Dezember 29th, 2009 at 23:43
Gmail mit einigen Regeln.
Facebook und Twitter werden automatisch als gelesen versehen und mit Labels versehen, das ist dann mein “have a look at it someday”. Private FB Nachrichten sind davon ausgenommen, ebenfalls Twitter Direktnachrichten, da sie für mich die gleiche Priorität wie Mails haben. Auch Newsletter und andere Dinge, die ich nicht sofort sehen will, aber nicht sofort sehen muss.
Juli 14th, 2010 at 21:57
Trotzdem wirst auch Du dich früher oder später bei Facebook anmelden
Liebe Grüße,
Chris