Buzz ist also überraschend im gleichen Haus eingezogen, ins Dachgeschoss. Unten im Souterrain wohnen die alten Friendsters (ob die noch leben?). Im Parterre ist dieser MySpace, der dauernd laut Musik laufen hat, aber man hat sich ja dran gewöhnt, und der taube Hausmeister Werkenntwen interessiert sich sowieso nicht für die anderen Mieter. In der Belle Etage wohnt man ja selbst nun schon länger mit seinem Blog, es klappt mal besser, mal schlechter, aber wenn’s nervt, kann man die Türen zumachen und hat vorrübergehend seine Ruhe. Ab und zu schauen XING oder LinkedIn rein, eigentlich immer, wenn man sie irgendwie braucht, kein Problem, Gästebett, fertig.
Im zweiten Stock haben sich Facebook und die VZs eingemietet, eigentlich freundliche Mieter, auch wenn die Türen und Fenster der VZs fast hermetisch verschlossen sind und kaum Besuch von draußen kommt. Dafür ist es bei Facebooks sehr unaufgeräumt, totales Chaos, man kennt kaum die hinteren Winkel ihrer Wohnung, sie sollen da sogar eine kleine Farm betreiben oder Ähnliches.
In der dritten Etage ist – gar nicht lange her – Twitter eingezogen, da hat’s anfangs ziemlich gerumpelt und geknallt, ständig waren alle möglichen Leute zu Besuch, Twitter ist nie allein, das ist manchmal ganz schön anstregend, zugegeben. Doch Twitter gehört inzwischen dazu. Er ist zwar ein hektischer, aber auch netter Kerl, hilft einem immer mal weiter und kennt ein paar tolle Mädchen und Jungs zum Feiern. Direkt neben Twitter ist diese komische WG, ein Kommen und Gehen, kaum auszuhalten. Gemietet hatte die Wohnung damals wohl dieser seltsame identi.ca (wo der wohl heute ist?), mit dem kam man ja kaum ins Gespräch. Inzwischen scheinen hauptsächlich Foursquare und Gowalla drin zu wohnen, die sich dauernd streiten, was jetzt wo liegt und wer das dort hingelegt hat. Ein paar Bekannte von ihnen schlafen ebenso regelmässig wie unauffällig ein paar Tage auf dem Sofa, nur um wenig später genauso unauffällig wieder auszuziehen.
Und jetzt ist also Buzz ins Dachgeschoss eingezogen, man konnte es ja nicht überhören. Tagelang durch den Treppenflur gepoltert beim Einzug, in keiner Wohnung war ein normales Gespräch noch möglich, Buzz hier, Buzz da. Und erst, nachdem dieser Buzz eingezogen ist, merkt man so richtig – Moment, den kennt man doch irgendwoher. Ist das nicht …?
Ja, tatsächlich, es ist Buzz Gmail, mit dem man in die Schule gegangen ist damals. Seine ganze, große Familie ist ja immer noch dauerpräsent auf allen Kanälen, es gibt sogar Gerüchte, dass ihnen das halbe Dorf gehört. Traurige Sache damals, als Buzz’ älterer Bruder Orkut nach Brasilien auswanderte und dort vermutlich starb, wer weiss das schon.
Weiterentwickelt hat sich der junge Buzz Gmail, ungeheuer. Damals war er zwar fleissig, aber auch sehr brav, langweilig fast – und jetzt wirkt er wie auf Speed, hat im Handumdrehen Freunde und Arbeitskollegen in die Wohnung eingeladen und macht eigentlich ständig Party. Ganz spannend eigentlich, jedenfalls am Anfang.
Aber man kann trotzdem gespannt sein, ob er so richtig ins Haus passt. Oder bald wieder auszieht und sich im Nerdheim für betreutes Wohnen ein Plätzchen sucht.

Februar 12th, 2010 at 16:21
Kurz aufgeschrieben: Buzz, der neue Nachbar im Haus: http://1.ly/buzz_gmail #webciety
Februar 12th, 2010 at 17:25
Nett geschrieben, liest sich gut. Schade nur, dass Wave nicht noch untergebracht wurde – als Bruder von Buzz vielleicht, mit dem man einmal ne coole Paty gefeiert hat und das wars, oder so.
Februar 12th, 2010 at 17:27
Naja, Wave ist ja nicht so richtig ein Social Network. Deshalb. Ansonsten herrscht natürlich auch Märchenfreiheit.
Februar 12th, 2010 at 17:33
Wirklich ein sehr leserlicher Artikel. Äußerst empfehlenswert.
lg Christian
Februar 12th, 2010 at 17:34
… und Plurk und friendfeed ?
Februar 12th, 2010 at 17:38
Hey, Sascha, sehr “süß” märchenhaft geschrieben. Auch wenn das nicht Deine “Zielgruppe” ist, aber: werde das meiner Mutter (junggeblieben, aber eben Offlinerin) mal vorlesen, damit sie nachvollziehen kann, wie man sich in Social Networks bewegt und fühlt. Ohne Deinen Artikel hätte ich das wohl nie so treffend präsentieren können. #thx
Februar 12th, 2010 at 17:54
Irgendwie hart langweilig und unlustig, nunja.
Februar 12th, 2010 at 18:23
Den Artikel könnte man glatt in der Kategorie “Social Media Gute-Nacht-Geschichten” nominieren
Jetzt müssen wir nur noch einen Preis finden, bei dem es eine solche Sparte gibt.
Februar 12th, 2010 at 19:48
Nachvollziehbar http://bit.ly/92cpIy Was übrigens auch ein schöner Name für eine Kneipe wäre.
Februar 12th, 2010 at 20:34
Sehr nette Geschichte von diesem @SaschaLobo: Dieser Buzz von nebenan | webciety http://bit.ly/bHKfKa
Februar 12th, 2010 at 20:54
Sehr schön geschrieben und schöne Spitzen! Aber zu einem muss ich intervenieren: Orkut ist das größte social Network in Brasilien überhaupt. Meine Frau (Ihres Zeichens Brasilianierin) weiß nicht wie man bloggen schreibt und was das mit dem Twittern soll aber schreibt ihrer Mum, allen Cousinen (und das sind viele) und ihren Freundinnen, egal ob hier oder drüben täglich! Habe keine konkreten Userzahlen aber da geht einiges in dem Land von eine einizige Insel im Amazonas Delta schon größer ist als unsere popelige Republik!
Februar 12th, 2010 at 21:10
RT @Mellcolm: Sehr nette Geschichte von diesem @SaschaLobo: Dieser Buzz von nebenan | webciety http://bit.ly/bHKfKa
Februar 12th, 2010 at 21:11
oh man ich kann auch nicht mehr schreiben…schlimm…das einzige Stichhaltige was meine subjektiven Wahrnehmungen aus Freundes- und Familienkreis zu Orkut stützt sind diese Zahlen http://www.orkut.com/MembersAll.aspx Aber das sagt es ja schon…mla sehen wie lange es dauert bis die Brasilianer auf Facebook umsteigen…
Februar 12th, 2010 at 21:52
Wie haben sie immer an meiner Business School in Oxford gesagt? Fail quick, fail often. Von daher macht Google doch alles richtig. Und wenn die es sich nicht leisten können, auch mal was zu wagen, wer soll es denn sonst tun?
Februar 12th, 2010 at 22:36
… und den Herrn Posterous habe ich noch ganz vergessen. Er wohnt auch nicht bei uns im Haus, da man ihn nur per Email (auf den ich jetzt nicht näher eingehen möchte) oder anderen Nachbarn erreichen kann (wie z.B. via Herr Twitter). Dort ist im Vergleich zu Twitter recht wenig los.
Mit ihm kommt man anfangs so ziemlich gar nicht klar, fast wie mit dem Facebook. Vielleicht ein Grund dafür, dass bei ihm kaum mehr los ist als im Tante-Emma-Reisebüro alias Dopplr.
Februar 13th, 2010 at 05:08
Sascha, das schreit nach einer Mindmap, die ich in meinem Kopf seit Stunde Null versuche, zu vervollständigen. ALLE Social Media Services, wie sie “nebeneinander wohnen” und wer eher so der Untermieter ist und wem die Wohnung eigentlich gehört.
Super Post. Social Media Poesi quasi. Fehlt nur noch ein Großmütterchen und die gehypten Max und Moritz Netzwerke, die zum Schluss von Oma Buzz in den Ofen gesteckt werden. Diesmal halt ohne Happy End. Zumindest wenn das Google Buzz Ding nach all dem anfänglichen Buzz tatsächlich anfängt zu fliegen.
Denn wenn jeder die Mehrwerte von gmail und co KENNT, wäre BUZZ nur eine logische Konsequenz.
Gott sei Dank gibt es normale Menschen, die sich nicht täglich mit Social Media auseinandersetzen.
Februar 13th, 2010 at 12:38
Nett zu lesen, Beitrag von @saschalobo: Buzz ist überraschend im gleichen Haus eingezogen, ins Dachgeschoss http://tinyurl.com/ycgv5xo
Februar 13th, 2010 at 12:41
LOL!
Klingt stark nach “Sascha Lobo featuring Horst Evers”
Aber ansonsten Klasse!
Grüße aus WlmsDRf
Februar 13th, 2010 at 14:33
Ich mag diesen Pflegefall. Ob das wieder mal mein ausgeprägtes Helfersyndrom ist?
Posterous ist übrigens die nette kleine Eigentumswohnung direkt über der U-Bahn-Station und neben dem Bahnhof im Kneipenviertel. Kurze Wege überall hin.
Um das Bild mal etwas zu erweitern.
Februar 13th, 2010 at 17:11
…
Aufgebaut hatte das Haus ja damals SixDegrees.com. Der ist aber irgendwann einfach weg gewesen, da hatten die anderen das Haus schon besetzt.
Seit längerem wohnt ja auch Flickr hier, der ist aber so ein ganz ruhiger, will halt von allen und allem immer Fotos machen und haben, das kann auch mal nerven, er ist aber halt ein Lieber.
Na von dem kleinen Bayern, der sich immer so fürchterlich grün anzieht, will ich gar nicht anfangen, Lokalisten versucht eh nur ständig alle Besucherinnen anzugraben.
Schön auf jeden Fall, das es so ein offenes Haus gibt, nur die Trolle die ab und an ins Haus stürmen, nerven.
…
Februar 13th, 2010 at 18:20
RT @isartom: Standardwerk @SaschaLobo http://webciety.de/?p=3734 für @WebCiety #socialweb #web20
Februar 13th, 2010 at 18:23
RT @schnappertv: RT @isartom: Standardwerk @SaschaLobo http://webciety.de/?p=3734 für @WebCiety #socialweb #web20 #fb
Februar 13th, 2010 at 21:15
Superschöner und sehr unterhaltsamer Artikel, Dankeschön dafür
.
Februar 14th, 2010 at 22:50
Dieser Buzz von nebenan – http://goo.gl/s4Yg
Februar 16th, 2010 at 19:20
[...] Dieser Buzz von nebenan (webciety) [...] Direkt neben Twitter ist diese komische WG, ein Kommen und Gehen, kaum auszuhalten. Gemietet hatte die Wohnung damals wohl dieser seltsame identi.ca (wo der wohl heute ist?), mit dem kam man ja kaum ins Gespräch. Inzwischen scheinen hauptsächlich Foursquare und Gowalla drin zu wohnen, die sich dauernd streiten, was jetzt wo liegt und wer das dort hingelegt hat. Ein paar Bekannte von ihnen schlafen ebenso regelmässig wie unauffällig ein paar Tage auf dem Sofa, nur um wenig später genauso unauffällig wieder auszuziehen. [...] [...]
Februar 18th, 2010 at 11:00
[...] bisher alleinige ernsthafte Player im lokalen Gaming Markt, auch wenn Google Buzz an der ein oder anderen Stelle als ernsthafter Konkurrent voraus gesagt wird. Auch wenn die Konzepte ungleiche [...]
Februar 18th, 2010 at 23:51
@saschalobo at his best! ROTFL RT @AddisonWesley: Lesenswert: Dieser Buzz von nebenan | webciety http://bit.ly/bHKfKa
Februar 18th, 2010 at 23:51
.@saschalobo at his best! ROTFL RT @AddisonWesley: Lesenswert: Dieser Buzz von nebenan | webciety http://bit.ly/bHKfKa
Februar 19th, 2010 at 10:34
Buzz, der neue Nachbar im Haus: http://1.ly/buzz_gmail #webciety
Februar 22nd, 2010 at 14:01
[...] Dieser Buzz von nebenan – [...]
März 1st, 2010 at 15:15
[...] Sascha Lobo, der das Ganze als Haus mit vielen verschiedenen Mietern beschreibt: http://webciety.de/?p=3734, was mir sehr gut [...]