Ein Android Tablet und die Applefrage

Do, Mär 4, 2010

CeBIT, Hardware, Mobile Autor: Sascha Lobo


Da! Da ist es endlich. Worauf die Welt gewartet hat! Die Welt ist vielleicht etwas übertrieben, gut, aber zumindest hatten kosmar und ich uns neulich angeregt drüber unterhalten: ein Tablet mit Android als Betriebssystem. Im Videoclip (mit Dank an JKKMobile) ist es zu sehen, hier auf der CeBIT auch live anzufassen. Und es macht einen durchaus geschmeidigen Eindruck, sowohl vom Touchverhalten her wie erst recht von der Geschwindigkeit. Vom Design des Korpus her ist sich noch Luft nach oben, bzw. in alle möglichen Richtungen – aber das Entscheidende ist, dass das iPad nicht mehr so allein dasteht in der Liga der zu groß geratenen Touchscreentelefone. Und warum ist das entscheidend?

Hierzu ein kleiner Exkurs. Ich bin applesozialisiert, mehr oder weniger von Anfang an. Design, Usability, Einfachheit, Geschmeidizität – keine Klagen, gerne wieder. Aber wenn man die Hardware-Software-Gesamtpakete von Apple intensiver nutzt, auch in Verbindung zum Beispiel mit dem iPhone, dann hat man seit einiger Zeit ein sich stetig verschlechterndes Gefühl. Es ist das Gefühl, nicht Herr über seine eigene Technik zu sein. Nun bin ich wie meisten Menschen in diesem Bereich doch recht geduldig, vielleicht zu geduldig, vergleichbar mit dem Frosch, der nicht aus dem immer heisser werdenden Wasser herausspringt. Aber der Frosch muss auch nicht mit Applegeräten arbeiten. Und in dem Moment, wo man das erste Mal wegen des unter anderem aus DRM-Gründen total verstümmelten Synchronisationssoftware von iTunes alle Kontaktdaten verliert, oder wo man Fotos nicht anständig vom iPhone runterbekommt ohne die grauenvolle Software iPhoto – da wird man sauer. Ich jedenfalls. Die Folge: ich bin weiterhin mit Applegeräten zu Gange – aber das iPhone hat massiv vertrauen verloren. Das Nexus One, das ich seit etwa einem Monat benutze, fühlt sich in diesem Punkt besser an: man hat die Kontrolle über seine Hard- und Software. Für mich ist es deshalb nicht mehr unvorstellbar, etwas anderes als einen Mac zu benutzen. Nämlich Geräte auf Android-Basis. Insofern betrachte ich diese Entwicklungen sehr aufmerksam. Und wenn Apple mit seinem geschlossenes System weiter so sehr nach Gutsherrenart verfährt, dass mir ein Stück Technik, das ich gekauft habe, nicht zu gehören scheint, steige ich vielleicht einfach um auf Android. Denn, um es mit einem Tweet von mir von vor ein paar Wochen nochmal zu sagen: Google will unsere Daten, aber Apple will unsere Seele.

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26 Responses to “Ein Android Tablet und die Applefrage”

  1. Sascha Lobo
    Sascha Lobo Says:

    Endlich ein einigermaßen geschmeidiges Android Tablet – und was das für Apple heissen könnte http://1.ly/applefrage #cebit

  2. ymotux
  3. Thorsten Ising
    Thorsten Ising Says:

    RT @saschalobo: Endlich ein einigermaßen geschmeidiges Android Tablet – und was das für Apple heissen könnte http://1.ly/applefrage #cebit

  4. Andreas Wollin
    Andreas Wollin Says:

    Geht mir in Sachen iPhone genauso. Immer muss irgendein i-Programm beteiligt sein, ich habe keine Wahl – dabei erschleicht einem dann das beschriebene Gefühl des nicht-Gehörens.

    Danke außerdem für diesen fast fehlerfreien Text, da so etwas – so ist mein Eindruck jedenfalls – in letzter Zeit immer seltener geworden ist.

  5. anmara
    anmara Says:

    Habe seit einigen Wochen das HTC Hero, also nicht der allerletzte Android-Schrei wie das Nexus One oder das tolle Ding oben auf dem Bild, aber – ich liebe es. Intuitiv zu bedienen (brauchte mal keine Anleitung!), auch recht schnell, viele coole Apps, und ich würde nicht auf Apple umsteigen wollen. Was die verschiedenen Reviews Positives drüber schreiben, wie z. B. hohe Anpassungsfähigkeit, stimmt. Bin also mehr als froh, dass ich kein teures iPhone-Abo abgeschlossen habe.

  6. Martin Oetting
    Martin Oetting Says:

    Bin ja eigentlich kein Fan von Blogkommentaren à la “Super, Sascha! Sehe ich ganz genauso!”

    Finde ich immer total hirnfrei.

    Nur hier überkommt’s mich grad und ich kann mir ein “Super, Sascha! Sehe ich ganz genauso!” nicht verkneifen. Die Applesche Gutsherrenart mit Android bekämpfen und damit offene aber zugleich *benutzbare* Standards im Social Web und auf den neuen Geräten schaffen … Ja, das wär’s! (Ich hirnfreier Typ, ich.)

  7. Martin Oetting
    Martin Oetting Says:

    Wobei der Typ, der den Film gemacht hat, auch ruhig einen Moment hätte üben können, vorher …

  8. Jörg Kremer
    Jörg Kremer Says:

    Lieber Herr Lobo,

    Sie müssen trunken sein von so viel Neuem, dass Sie so schreiben. Warum ist der USP von Apple, Hard- und Software einfach und schön zu machen, dabei noch leicht nutzbar, plötzlich ein möglicher Nachteil.

    Ich nutze Apple seit fast 20 Jahren und habe noch nie einen Apple öffnen müssen, habe noch nie Fehlkäufe getätigt und musste mich noch nie mit dem Innenleben beschäftigen. Das ist mir sehr viel wert. Aus dem Bemühen von Apple nun “Sektiererei” abzuleiten, finde ich etwas zu eng gedacht.

    Apple scheint als einziger Anbieter das Versprechen an den Konsumenten einzulösen, dass sich Hard- und Software dem Menschen möglichst weit anpasst und dies nicht umgekehrt der Fall ist. Das erfordert hohe Integration.

    Mag sein, dass Android im Detail auch gut ist, aber es ist nie so weit integriert, dass ich, wie oben, ins Schwärmen geraten könnte.

    Es ist natürlich leicht in einem weißen “Schuhkartonstand” mit einem asiatischen Nachbau zu glänzen, wenn die ganze Arbeit vorher von einem anderen Marktteilnehmer gemacht wurde. Als Unternehmer empfinde ich diese Plagiate ohne jeglichen Mehrwert zum Original und zumeist auch miserablen Designs und ebensolcher Qualität als Frechheit.

    Auf der Basis solcher elektronischer Machenschaften, Apple in Frage zu stellen, ist ein Impuls in die falsche Richtung. Mein Fazit wäre: Schaut mal, wie schlecht man das machen kann.

    Bin sehr gespannt auf Ihre weiteren Entdeckungen.

    Jörg Kremer

  9. gsohn
    gsohn Says:

    Ein Android Tablet und die Applefrage | webciety http://bit.ly/aYEIu8

  10. saschalobo
    Sascha Lobo Says:

    Lieber Herr Kremer, gehe ich recht in der Annahme, dass Ihre äusserst pauschalen Unterstellungen gegenüber asiatischen Herstellern ausschließlich ihrem diffussen Bauchgefühl entspringen? Oder kennen Sie sich damit konkret aus? Haben Sie von dem Hersteller im Video überhaupt jemals gehört? Und wenn nicht – bedeutet das automatisch, dass er in Verbindung mit seinem zugegeben ausgeprägten Asiatentum Technologien klaut?

  11. mspro
    mspro Says:

    Ich bin ja kein Fan von “ich bin ja kein Fan von Kommentaren, aber”- Kommentaren… ähhm, doch nix aber.

  12. mspro
    mspro Says:

    (und warum geht die webcietyuhr anders? [Disclaimer: dieser Kommentar wurde entgegen anderslautender Darstellungen in seinen eigenen angezeigten Metadaten um 13:55 abgesendet, nicht um 14:55])

  13. schoschie
    schoschie Says:

    Das beschreibt auch ganz gut mein Gefühl. Ich mag die Hard- und Software von Apple sehr gerne und arbeite damit seit 1995, denn die Leute machen sich wirklich Gedanken darüber, wie es Spaß machen kann, etwas zu benutzen (und darum geht es, nicht etwa um oberflächliche Faktoren wie das Aussehen!). Auch das iPhone ist so ein Gerät, das größtenteils schlicht funktioniert, und das man gerne benutzen mag.

    Die Art und Weise, wie Apple sich jedoch zunehmend als Diktatur geriert (siehe AppStore), macht auch mir Bauchschmerzen. Ich glaube, Apple ist gerade dabei, sich den Sympathiebonus, den sie sich seit Mitte der 90er hauptsächlich dank Steve Jobs langsam wieder aufgebaut haben, zu vernichten. Es ist bedauerlich zu sehen, dass ihnen offenbar großer Erfolg nicht genug ist, sondern sie den gesamten Kuchen haben wollen, genau wie Microsoft agiert. Ich unterstütze ungern Diktaturen, und wenn sich die Alternativen, seien sie nun von Android oder Palm oder wem auch immer, so weit entwickeln, dass sich damit genauso angenehm arbeiten lässt wie mit Apple-Produkten, dann werde ich Apple den Rücken zu kehren. Allerdings weiß ich nicht, ob Google mit Android nicht dieselben Ambitionen hat, den Markt zu 100% zu kontrollieren, wie Apple, und ob man damit prinzipiell »freier« wäre.

  14. JOW
    JOW Says:

    nur am Rande: das Programm “Digitale Bilder”
    lädt Bilder einfach vom iPhone auf den Mac.
    Gruß.

  15. Christoph
    Christoph Says:

    Alles richtig – bis auf den Frosch und das heiße Wasser. Denn der springt raus.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Boiling_frog

  16. JWD
    JWD Says:

    (M)ein Android hat auch aus einem weiteren Aspekt MEHR Zukunftschancen als das iPhone: es lässt sich umfangreich in Kundenbindungs-Projekte einbinden. Etwa in Zukunft als Gratis Give away für Handwerker…. wie gesagt: aus Herstellersicht.

    http://www.westaflex-forum.de/mein-testbericht-android/

    Ansonsten verstehe ich derzeit nicht, warum es bei Telekom Austria das Android Milestone im Vertrag gibt, nicht aber bei der Telekom Deutschland…?! Wenn sich das beim iPad ebenso darstellt, wäre es ein weiterer Grund auf bspw. Taiwan-Produkte wie im Video gesehen, auszuweichen (leider hatte ich im Dreh den Eindruck, dass die Standbesatzung im Hintergrund am Abbauen ist….).

    http://t-mobile.at/privat/_specials/milestone/index.html?WT.ac=startseite_milestone_link

  17. Raventhird
    Raventhird Says:

    Ich halte generell nichts davon, Fan von irgendwelchen Marken zu sein. Das sind Werkzeuge. Und wenn eines besser ist als das andere, dann bin ich der erste, der wechselt. Das iPhone verliert mehr und mehr an Boden, das iPad wird ihn (hoffentlich) nie gewinnen, wenn gleichzeitig Tablets rauskönnen, die nicht nur Spielzeuge sind, sondern mit denen man auch richtig arbeiten kann, denn die Tab-Idee an sich ist super: Kleiner, wirklich tragbarer Computer für überall.

  18. saschalobo
    Sascha Lobo Says:

    Ah. Danke, Christoph. Schön, dass auch diese Urban Legend, der ich offenbar aufgesessen bin, mal enttarnt wird. Falls das in der Wikipedia stimmt. Weiss man ja nie.

  19. Harald Mandl
    Harald Mandl Says:

    Herr Lobo,

    der Satz “Google will unsere Daten, aber Apple will unsere Seele” ist komplett daneben. Wenn einer unsere “Seele” will, dann Google. Denn unsere “Seele” im digitalen Raum sind unsere Daten. Daher bin ich etwas baff, dass Sie lieber alles was Sie tun und denken Google offenbaren wollen.

    Apple will dagegen nur meine Kohle. Und das ist für mich die deutlich sympathischere Alternative.

  20. Christoph
    Christoph Says:

    Lieber Sascha,

    Stimmt, man kann nie wissen. Aber tröste dich: Du bist nicht allein.

    http://www.theatlantic.com/personal/archive/2009/05/obama-violates-boiled-frog-ban/17683/

  21. kosmar
    kosmar Says:

    die sache mit google gegenüber apple ist insgesamt nicht so einfach.
    ich werde nächste woche mal drüber nachdenken.
    hier nur ein paar anknüpfungspunkte
    google wurde von apple verklagt.
    google stellt sich datenschutzanforderungen bei streetview.
    apple bezahlt appdevs spät, kontrolliert store zulassungen, kann apps nachträglich entfernen
    der android market ist offen, man kann an ihm vorbeiinstallieren
    wo kann ich den akku austauschen
    ein google.com/dashboard gibt es von apple nicht
    will jemand weiterauflisten? ich muss arbeiten.

  22. Jörg Kremer
    Jörg Kremer Says:

    Lieber Sascha Lobo,

    hätte diese asiatische Firma ein “iPad” vor der iPad Präsentation auf irgendeiner Messe gezeigt und damit Menschen wie mich erreicht, würde ich respektvoll den Hut ziehen. Respekt gebührt aber nur dem, der die Dinge gut macht und Ihnen eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz verschafft.

    Die Horde der wilden Killer, die dann folgt registriert man, aber Respekt verschaffen die sich nicht. Ausser sie schaffen es, diskontinuierlich zu innovieren. Aber hier scheint es sich, ich kann mich da nur auf Ihre Worte stützen, darum nicht zu handeln.

    Sie wissen, dass es Bauchgefühl aus dem Bauch nicht gibt? Bauchgefühl ist das höchst effektive Abrufen allen mit einem Thema vernetzten Wissens und dessen Verarbeitung im Gehirn. Eine grandiose Einrichtung der Natur. Meist verschafft ein ausgiebiges Nachdenken nicht wesentlich andere Erkenntnisse.

    Ich verlasse mich hier einfach mal auf mein “Bauchgefühl”.

    Falls der asiatische Anbieter in den nächsten Wochen das von mir Gewünschte schaffen sollte, werde ich ihm dankbar eines seiner “gnorzknarks” abkaufen.

    Versprochen!

    Ihnen eine gute Zeit.

    Jörg Kremer

  23. kosmar
    kosmar Says:

    wo hab ich gelesen, dass das ding <100$ kosten soll?

  24. kosmar
  25. La matrina
    La matrina Says:

    Geht mir in Sachen iPhone genauso. Immer muss irgendein i-Programm beteiligt sein, ich habe keine Wahl – dabei erschleicht einem dann das beschriebene Gefühl des nicht-Gehörens.

    Danke außerdem für diesen fast fehlerfreien Text, da so etwas – so ist mein Eindruck jedenfalls – in letzter Zeit immer seltener geworden ist.

  26. La Martina
    La Martina Says:

    Geht mir in Sachen iPhone genauso. Immer muss irgendein i-Programm beteiligt sein, ich habe keine Wahl – dabei erschleicht einem dann das beschriebene Gefühl des nicht-Gehörens.

    Danke außerdem für diesen fast fehlerfreien Text, da so etwas – so ist mein Eindruck jedenfalls – in letzter Zeit immer seltener geworden ist..La Martina

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